Azalee Public Whitepaper v1.3

Privacy-first KI-Ereignisnachweise

Korrelierte Lifecycle-Events, lokale Inhalts-Fingerprints und öffentlich prüfbare technische Integritätsnachweise

Stand: 15. Juli 2026
Autor und Diensteanbieter: Namik Hasanovic – Azalee
Gewerblicher Einzelunternehmer in Österreich
Kontakt: namik.hasanovic@azalee.garden
Copyright © 2026. Alle Rechte vorbehalten.

Inhalt

  1. Zusammenfassung
  2. Problemstellung
  3. Interaktionsstandard
  4. Nachweisqualität
  5. Tools und Aufsicht
  6. Architektur
  7. Hashing
  8. Kontinuität
  9. Merkle und Zeitstempel
  10. Verifikation
  11. Datenschutz
  12. AI Act
  13. Aussagegrenzen

1. Zusammenfassung

Azalee ist eine technische Audit- und Integritätsschicht für KI-Systeme, Agenten und Workflows. Die Plattform ist nicht als zweite Rohdatenbank für Unterhaltungen gedacht. Sie speichert kryptografische Fingerprints, sichere Kontrollmetadaten, Reihenfolge, Kontinuität und Verankerungsnachweise.

Eine reale KI-Interaktion wird als zusammengehörige Ereignisfolge protokolliert. Frage und Antwort bleiben beim Nutzer. Das Kundensystem berechnet lokal input_hash und output_hash. Azalee erhält diese Fingerprints sowie Status, Dauer, Versionen und korrelierende IDs.

Einheitlicher Standard: Webhook, lokaler Helper, SDK, Dashboard, Exporte und Verify verwenden dieselbe Ereignissprache.

2. Problemstellung

Ein einzelner Eintrag „Antwort erzeugt“ reicht für spätere technische Prüfungen oft nicht. Es bleibt unklar, welcher Input gemeint war, ob die Ausgabe zugestellt oder blockiert wurde, ob ein Tool handelte, ob eine Freigabe vorlag und ob eine nachweisbare Reihenfolge bestand.

Vollständiges Rohdaten-Logging dupliziert dagegen Prompts, Antworten, Transkripte, Dateien und Kundendaten und erhöht Datenschutz-, Geheimhaltungs- und Sicherheitsrisiken. Azalee trennt deshalb Inhalt und Nachweis.

3. Kanonischer Interaktionsstandard

Jede normale Input-zu-Output-Interaktion verwendet eine stabile session_id für Gespräch oder Lauf und eine correlation_id für den einzelnen Turn.

SequenzEreignisErwarteter Nachweis
1interaction.startedinput_hash, Status started
2model.response.completed oder failedinput_hash, output_hash, duration_ms
3output.delivered oder blockedoutput_hash, optional reason_code
4interaction.completed oder failedInput-/Output-Hash und Gesamtdauer
session_id: sess_42 · correlation_id: turn_9 interaction.started └─ model.response.completed └─ output.delivered └─ interaction.completed previousHash-Kette → Merkle-Batch → Inclusion-Proof → Zeitnachweis

4. Nachweisqualität

Bei kanonischen Ereignistypen wird geprüft, ob die erwarteten Fingerprint-Felder vorhanden sind.

StatusBedeutung
completeAlle für diesen Ereignistyp erwarteten Nachweisfelder sind vorhanden.
partialMindestens ein erwartetes Feld fehlt; die Lücke wird sichtbar ausgewiesen.
LegacyÄlteres oder benutzerdefiniertes Event ohne Qualitätsmarker; gültiger Datensatz, aber kein vollständiger kanonischer Interaktionsnachweis.

5. Tools, Policy und menschliche Aufsicht

Externe Aktionen erhalten eine eigene Tool-Ereignisfolge: tool.call.started, completed, failed oder blocked.

Menschliche Aufsicht wird separat mit human.approval.requested, granted, rejected und human.override protokolliert. Policy-, Risiko- und Änderungsereignisse erklären technische Zustandswechsel.

6. Architektur

SchichtZweckErgebnis
Kunden-RuntimeBildet Inhalts-Fingerprints lokal und emittiert reale Zustandsübergänge.Privacy-first Events
IngestAuthentifiziert, bereinigt Kontrollmetadaten und bildet den Event-Envelope-Hash.Gespeicherter Event-Fingerprint
KontinuitätOrdnet Session, Korrelation, Sequenz und vorherigen Hash.Prüfbare Ereignisfolge
BatchFasst Event-Hashes in einer Merkle-Wurzel zusammen.Öffentlich prüfbarer Anker
Export und VerifyErzeugt PDF, CSV, Graph, Manifest, Inclusion-Pfad und Prüfer-Link.Technisches Nachweispaket

7. Hashing und Kanonisierung

Ein kryptografischer Hash ist ein deterministischer Fingerabdruck. Dieselbe kanonische Eingabe erzeugt denselben Hash; eine relevante Änderung erzeugt einen anderen. Azalee hasht durchgehend mit SHA-256. Anker und Events, die vor dem 25.07.2026 geschrieben wurden, verwenden SHA3-256; da beide Digests 32 Byte lang sind und man dem Wert das Verfahren nicht ansieht, wird der Algorithmus je Zeile in hash_algo mitgeführt und reist als hashAlgo in jedem Beweis mit. Ein Prüfer muss das im Beweis angegebene Verfahren verwenden — mit dem heutigen Standardwert nachzurechnen würde einen gültigen historischen Beweis als manipuliert melden. Die Kanonisierung folgt RFC 8785 (JCS).

Unabhängige Inhaltsprüfung setzt voraus, dass das Original und die lokale Kanonisierungsregel beim Nutzer erhalten bleiben. Azalee kann verborgene Inhalte aus einem Hash nicht rekonstruieren.

8. Kontinuität und Reihenfolge

session_id gruppiert einen längeren Lauf. correlation_id gruppiert eine konkrete Interaktion. sequence beschreibt logische Reihenfolge. Optional verweist jedes Event auf den vorherigen Hash. Entfernen, Einfügen oder Ersetzen wird dadurch erkennbar.

Eine Sequenz schließt Lücken in der Mitte einer Session. Sie schließt das Ende nicht: Wer die letzten Ereignisse weglässt, hinterlässt keine Spur, die Kette endet einfach früher. Deshalb gibt es zwei zusätzliche Ereignisse. session.sealed wird genau einmal am Ende gesendet und deklariert total_events; weichen deklarierte und vorliegende Anzahl voneinander ab, ist die Session sichtbar unvollständig. system.heartbeat wird regelmäßig gesendet, solange eine Session offen ist, und deklariert at_sequence; meldet ein Lebenszeichen eine höhere Sequenz als das letzte vorliegende Ereignis, wurde das Ende abgeschnitten. Erst beide zusammen machen Stille zu einem Ereignis.

Ehrliche Grenze: Vollständigkeit wird relativ zu dem bewiesen, was das System deklariert hat. Eine Session, die nie begonnen wurde, existiert nirgends und kann nicht vermisst werden. Garantiert ist, dass alles, was einmal begonnen hat, danach entweder lückenlos oder sichtbar kaputt ist.

9. Merkle-Wurzeln und Zeitnachweise

Ein Merkle-Baum verdichtet viele Event-Hashes zu einer Wurzel. Ein Inclusion-Pfad zeigt, dass ein bestimmter Fingerprint Teil des Batches war, ohne andere Kundenevents offenzulegen.

Zeitstempelung bindet eine Batch-Wurzel oder einen Paket-Hash an einen Zeitpunkt. Nur ein tatsächlich verifizierter qualifizierter Vertrauensdiensteanbieter darf als qualifizierter eIDAS-Zeitstempel bezeichnet werden.

10. Verifikation

Ein Prüfer bewertet zunächst Event-Typen, Status, Reihenfolge, Qualität, Tool-/Policy-/Freigabe-Kontext und Versionsfelder. Danach werden Event-Fingerprint, Merkle-Inclusion, veröffentlichte Wurzel und Zeitnachweis geprüft.

Ohne Kundenoriginal bestätigt Azalee Existenz und Integrität der gespeicherten Verpflichtung, aber nicht den verborgenen Inhalt.

Der Beweis reist als Proof Bundle (azalee-proof-<event_id>.zip): Manifest, Leaf-Hash, Merkle-Pfad, Wurzel als Rohbytes, RFC-3161-Token, TSA-Kette, OpenTimestamps-Proof, signierte Eingangsquittung und ein VERIFY.md mit den Befehlen zum Nachrechnen. Geprüft wird mit azalee-verify, einer quelloffenen CLI unter MIT-Lizenz, die keinen einzigen Netzwerkaufruf macht. Ein Beweis, der nur auf azalee.garden funktioniert, waere keiner: ein Dritter muss bei blockiertem azalee.garden zum selben Ergebnis kommen. Jede Aussage wird einzeln gemeldet, nie als Sammelampel; fehlende Belege erscheinen als ungeprüft und nie als bestanden.

event.json liegt dem Bundle in der Regel nicht bei, denn Azalee speichert nur Hashes und Steuer-Metadaten, nie den Inhalt. Der Halter legt sein aufbewahrtes Original daneben; es muss den Leaf-Hash reproduzieren. Originale aufbewahren — Azalee beweist, dass sie unverändert sind, verwahrt sie aber nicht.

Alle je veröffentlichten Wurzeln stehen zusaetzlich in einem öffentlichen, verketteten Feed unter /api/roots. Wer ihn einmal speichert, erkennt beim naechsten Abruf, wenn eine alte Wurzel verändert wurde oder fehlt. Der Feed enthaelt nur Wurzeln und Zeiten — keine Kundenkennungen, keine Namen, keine Mengenangaben.

11. Sicherheit und Datenschutz

Erlaubte Klartext-Metadaten sind Ereignistyp, Status, Dauer, opake IDs, Versionen, Tool-/Policy-Namen, Reason Codes und Hash-Felder. Personenbeziehbare Akteure sollen nur als opake Referenzen übertragen werden.

Nicht übertragen werden sollen Rohfragen, Antworten, Transkripte, Aufnahmen, Dateien, Tool-Argumente/-Ergebnisse, Kundendatensätze, E-Mail-Adressen, Passwörter, API-Schlüssel, Tokens oder Secrets.

Ein Hash ist nicht automatisch anonym. Fingerprints und korrelierende IDs können personenbezogene oder pseudonymisierte Daten darstellen und unterliegen weiterhin Zugriff, Aufbewahrung und Löschung.

12. Einordnung zum EU AI Act

Artikel 12 der Verordnung (EU) 2024/1689 verlangt für bestimmte Hochrisiko-KI-Systeme automatische Ereignisaufzeichnung. Azalee unterstützt technische Muster für Aufzeichnung, Traceability, Monitoring, Risikoereignisse, menschliche Aufsicht und spätere Verifikation.

Azalee bestimmt nicht, ob ein Kundensystem Hochrisiko ist, ersetzt weder Risikomanagement noch technische Dokumentation oder menschliche Aufsicht und stellt keine automatische Compliance-Zertifizierung dar.

13. Aussagegrenzen

Technische Grundlagen

Verordnung (EU) 2024/1689. Verordnung (EU) Nr. 910/2014. Verordnung (EU) 2024/1183. RFC 3161. NIST FIPS 202. RFC 8785. RFC 9162.